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Ökologische Bewirtschaftung fördert Vielfalt spezieller Nützlinge im Kernobstbau

In Bio-Kernobstanlagen ist die Vielfalt an speziellen Gegenspielern von Obstschädlingen größer als in integriert bewirtschafteten Anlagen. Das gilt zum Beispiel für parasitische Schlupfwespen und insektenpathogene Pilze.

Schlupfwespe auf einer Blüte
Foto: Simon Feiertag, JKI Darmstadt

Einfluss auf das Vorkommen dieser Nützlinge haben aber auch weitere Faktoren wie etwa die Bodentemperatur oder die umgebende Landschaftsstruktur. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kam ein Forschungsteam des Instituts für Biologischen Pflanzenschutz des Julius Kühn-Instituts in Darmstadt im Projekt "Demoapfel".

Vier Jahre lang wurde dafür in drei Anbauregionen Deutschlands (Altes Land, Kraichgau, Bodensee) die Vielfalt und Häufigkeit bestimmter Nützlinge in Apfelanlagen untersucht. Das Projekt wurde finanziert vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).    

Dabei konnte das Forschungsteam an allen drei Standorten Gegenspieler der wichtigsten Schädlinge im Obstbau nachweisen. Dazu gehörten zum Beispiel verschiedene Schlupfwespen. Zudem lag die Anzahl der Gegenspieler in integriert und ökologisch bewirtschafteten Anlagen auf einem ähnlichen Niveau. Allerdings zeigte sich in Bio-Obstanlagen eine signifikant größere Vielfalt dieser Insekten.    

Die Fachleute führen das unter anderem darauf zurück, dass die im Ökolandbau eingesetzten Wirkstoffe selektiver wirken als die chemisch-synthetischen Wirkstoffe im integrierten Anbau. Deshalb gebe es mehr alternative Beute- und Wirtstiere in Bio-Obstanlagen, die die Vermehrung verschiedener Schlupfwespenarten begünstigen.      

Im Durchschnitt waren in den untersuchten Anlagen etwa zehn Prozent der Apfelwickler durch Schlupfwespen parasitiert. Dabei waren die Parasitierungsraten Bio-Obstanlagen am stabilsten. Vorhandene Gegenspieler des Apfelwicklers ließen sich in den Anlagen gezielt fördern, etwa durch Aussaat von Blühpflanzen, deren Nektar für die Tiere attraktiv ist.    

Auch extensive Streu- und Mostobstwiesen sind für die erwünschten Insektenparasiten zusätzliche Nahrungsquellen. Deshalb könnte nach Ansicht des Forschungsteams die Anlage extensiv genutzter Kernobstflächen in intensiv bewirtschafteten Regionen sinnvoll sein. Dazu seien aber noch weitere Untersuchungen notwendig.    

Bei der systematischen Erfassung von Pilzen, die spezifisch Insekten befallen und natürlich im Boden vorkommen, zeigten sich deutliche regionale Unterschiede bezüglich der Verbreitung der Arten. Eine große Rolle spielt dabei wahrscheinlich die Bodentemperatur. Doch auch die Art der Bewirtschaftung beeinflusst nach Einschätzung des Forschungsteams das Vorkommen der Pilzarten. So war die Artenvielfalt der Pilze war auf ökologisch bewirtschafteten Anlagen am höchsten, gefolgt von Streu- und Mostobstflächen.    

In Anlagen mit integriertem Pflanzenschutz wurde die geringste Artenvielfalt an insektenpathogenen Pilzen festgestellt. Infektionen des Apfelwicklers durch Nosema carpocapsae traten auffallend häufig in Streuobstgebieten auf. Der einzellige Pilz parasitiert den Schädling und beeinträchtigt seine Vermehrung und Lebensdauer.    

Unter Laborbedingungen wurde untersucht, wie sich verschiedene chemische Pflanzenschutzmittel auf das Mycelwachstum ausgewählter insektenpathogener Pilze auswirken. Die größte wachstumshemmende Wirkung zeigte dabei ein gängiges Herbizid. Die anderen getesteten chemischen Pflanzenschutzmittel hemmten das Wachstum der Pilze unterschiedlich stark. Die einzelnen Pilzarten reagierten unterschiedlich auf die Wirkstoffe.    

Die Fachleute schließen aus den Ergebnissen, dass Mikroorganismen ähnlich wie die spezifischen Schlupfwespen in Obstanlagen ständig zur Verringerung von Apfelwicklerpopulationen beitragen. Eine gezielte Ausbringung einzelner pathogener Pilzstämme kann deshalb eine erfolgversprechende Maßnahme zur Bekämpfung sein. Das zeigten auch Feldversuche mit Engerlingen, deren Zahl bei jährlicher Ausbringung eines pathogenen Pilzstamms verringert werden konnte. Neben einer regelmäßigen Ausbringung sei es für den erfolgreichen Einsatz entscheidend, einen geeigneten Pilzstamm zu finden, der zu den vorherrschenden Umweltbedingungen und der Bewirtschaftungsform passt.    

Weitere Informationen zur Studie und den Abschlussbericht zur Studie finden Sie auf der Webseite der BLE.   

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