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Was tun gegen PNYD-Nanoviren in Ackerbohnen und Erbsen?

Pressemitteilungen

Im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie (EPS) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wurde in einer zwei jährigen Studie untersucht, welche Folgen eine Infektion mit Nanoviren hat.

PNYD-Nanoviren Infektion in Ackerbohnen. Foto: Uni Kassel

2009 wurde erstmals in deutschen Erbsen- und Ackerbohnenbeständen das sogenannte pea necrotic yellow dwarf virus (PNYDV) nachgewiesen. Infizierte Pflanzen haben gelbliche, verschmälerte Fiederblättchen und fallen im Bestand als nesterweise verteilte Befallsherde auf. Im Jahr 2016 kam es erstmals zu einer bundesweiten Epidemie, bei der eine Vielzahl der untersuchten Ackerbohnen- und Erbsenflächen mit dem Virus infiziert waren.

In einer zweijährigen Studie haben Wissenschaftlerinnen  und Wissenschaftler des Julius-Kühn-Instituts, der Universität Kassel und des Thünen Instituts für Ökologischen Landbau untersucht, welche wirtschaftlichen Schäden ein Befall mit Nanoviren verursacht, wie das Virus übertragen wird und welche Maßnahmen zur Vorbeugung sinnvoll sein könnten. Das Projekt wurde im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie (EPS) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gefördert.

Das Wissenschaftsteam konnte nachweisen, dass Infektionen mit dem PNYD-Virus bei Ackerbohnen den Wuchs, die Fixierung von Stickstoff sowie Ertrag und Rohproteingehalt verringern. Bei Sommererbsen führte das Virus tendenziell zu ähnlichen Beeinträchtigungen. Häufig wurden auch Mischinfektionen mit dem Scharfe-Adern-Mosaik-Virus (PEMV) beobachtet, die zu einer stärkeren Ausprägung der Symptome führten.

Der Erreger wird nicht samenbürtig übertragen. Stattdessen kommen nach Ansicht der Forscherinnen und Forscher vor allem Blattläuse als Überträger des PNYD-Virus in Frage, insbesondere die Grüne Erbsenblattlaus. Die Virus-Untersuchung verschiedener Blattlausarten, die mit Gelbschalen auf den Schlägen gesammelt wurden, deuten darauf hin, dass auch noch andere Arten als Virusüberträger in Frage kommen können.

Aus Interviews mit konventionellen Landwirtinnen und Landwirten in der untersuchten Modellregion Nordhessen ging hervor, dass viele Betriebe nach der PNYDV-Epidemie im Jahr 2016 in den beiden Folgejahren verstärkt Insektizide zur Vektorbekämpfung eingesetzt hatten. Rückblickend war aber nach Ansicht der Forscherinnen und Forscher in beiden Jahren keine vorbeugende Bekämpfung der potenziellen Überträger notwendig, da das PNYD-Virus deutlich seltener auftrat. Aufgrund weiter bestehender Kenntnislücken zur Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit von Insektiziden gegenüber Viruserkrankungen, raten die Forscherinnen und Forscher vorerst dazu, sich bei direkten Verfahren gegen virusübertragende Insekten zurückzuhalten.

Einen erfolgversprechenden Ansatz zur Viruskontrolle bei Ackerbohnen könnte die Sortenwahl sein, wie Ergebnisse der Studie zeigen. Zwar führte eine künstliche Infektion der untersuchten Ackerbohnen-Sorten "Fuego" und "GL-Sunrise" in beiden Fällen zu den üblichen Virussymptomen. Doch während sich die Infektion bei "Fuego" weiter im Bestand ausbreitete, blieb eine solche Sekundärinfektion bei "GL-Sunrise" aus.

Unklar ist nach wie vor, wie und wo das Virus überwintert. In Versuchen konnten feinsamige Leguminosen mit dem Virus infiziert werden, die als Zwischen- oder Winterwirt in Betracht kommen. Auch ausdauernde Leguminosen in Grünland beziehungsweise deren Begleitvegetation kämen dafür in Frage. Grundsätzlich gehen die Forscher davon aus, dass zunehmend mildere Winter und ein früher einsetzender Flug virusübertragender Insekten die Ausbreitung des Erregers begünstigen. Zur weiteren Klärung der offenen Fragen wurde das Projekt bis Ende 2019 im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) verlängert.

Der vollständige Bericht der Studie

Kontakt

Elmar Seck
Informationsmanagement BÖLN
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Deichmanns Aue 29
53179 Bonn
Telefon: 0228 / 6845-2926
E-Mail: elmar.seck@ble.de

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